Der Kivu-See zwischen Ruanda und der Demokratischen
Republik Kongo gelegen ist weltweit einzigartig: seine Tiefenwasser enthalten
eine enorme Menge an gelöstem Gas (3/4 Kohlendioxid, 1/4 Methan). Im
statischen Zustand sind die streng geschichteten Wassermassen dieses Sees stabil
und gutartig. Eine durch die vulkanische Aktivität des Nyiragongo hervorgerufene
kräftige Störung auf der Nordseite des Sees kann jedoch ein Aufsteigen
von mit gelöstem Gas beladenem Tiefenwasser bewirken. Dieses Wasser
würde, sei es durch lokale begrenzte Emanationen, sei es durch eine kataklystische
Explosion einen großen Teil des Sees betreffen und große Mengen von
belastenden Gasen freisetzen und so die angrenzende Bevölkerung in Mitleidenschaft
ziehen. Es sei daran erinnert, daß der Nyos See in Kamerun 1986 der
Ort eines Gasausbruchs war, der den Erstickungstod von 1.800 Menschen in einem
30 Km Umkreis um den See zur Folge hatte. Der Kivu-See enthält tausendmal
mehr Gas als der Nyos-See und Millionen Menschen leben unter dieser Bedrohung. Wir
entschieden uns, eine multidisziplinäre Untersuchung der physikalisch-chemischen
Eigenschaften des Kivu-See mit dem Ziel anzustellen, das Risiko eines Gasausbruchs
in verschiedenen Szenarios einschließlich eines Nyiragongo-Ausbruchs abzuschätzen
(Eruption mit unterseeischer magmatischer Einleitung, Herausschleudern von Lava
während einer Spalteruption wie die vom Januar 2002). |